Über mich | About me - Natalia

Natalia Wannhoff
Natalia Wannhoff

Als Tochter einer Südamerikanerin und eines Europäers schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Zwei sehr unterschiedliche und teils gegensätzliche Kulturen haben meine Kindheit und Jugend geprägt. Und sie beeinflussen auch heute noch mein Lebensgefühl und die Einstellung zu vielen Lebensfragen: meine zwischenmenschlichen Beziehungen, mein Rollenverständnis als Frau in unserer Gesellschaft oder meine Einstellung zur Arbeit. Aber auch das stets präsente Fernweh, welches aus meiner fehlenden örtlichen Verwurzelung resultiert, ist Teil meines Lebens und zieht mich, so oft es geht, hinaus in die Welt. (English version at the bottom)


Wo ich herkomme…

Im Jahr 1961 wurde mein Vater als junger deutscher Kaufmann von der Firma Bayer in die venezolanische Niederlassung entsendet, um dort erste Berufserfahrungen zu sammeln. An seinem ersten Arbeitstag traf er dort auf meine Mutter, die als Assistentin für seinen Chef arbeitete. So begann die Geschichte unserer Familie. Nach der Heirat meiner Eltern kam mein Bruder in Venezuela zur Welt. Als es beruflich bedingt für die junge Familie weiter nach Argentinien ging, wurde meine Schwester in Buenos Aires geboren. Nach einigen Jahren wurde mein Vater zurück nach Leverkusen in die Zentrale von Bayer beordert. Dort erblickte ich schliesslich das Licht der Welt. Meine Eltern zog es jedoch erneut beruflich nach Venezuela, sodass ich die Kindergarten- und Grundschulzeit in Caracas verbrachte. Später ging es dann mit einem dreijährigen Aufenthalt in Brüssel zurück nach Leverkusen, wo ich den Rest meiner Teenagerzeit verbrachte.

Wie ich landete, wo ich jetzt bin…

Vielleicht ist es unserer deutsch-venezolanischen Kommunikationskultur geschuldet, dass ich mich schon früh damit beschäftigen musste, einen Unterschied zu machen, wem ich was auf welche Art und Weise sage. Da war einerseits die rationale und überlegte Art meines Vaters und auf der anderen Seite das temperamentvolle und leidenschaftliche Wesen meiner Mutter. Zudem gab es bei uns zu Hause keine Tabus. Es wurde über alles gesprochen, kein Thema war zu peinlich. Mir wurde beigebracht, dass man sich alles sagen kann, dass es nur darauf ankomme, wie man es sagte.

Nachdem wir also aus Venezuela bzw. Belgien nach Deutschland kamen, um von nun an dort zu leben, kehrte fürs Erste etwas Ruhe in mein bewegtes Leben ein. Ich wurde ein typischer deutscher Teenie, und schon bald begann meine berufliche Orientierungsphase.

 

Während meiner kaufmännischen Lehre in der Pharmaindustrie gefiel mir der Bereich Marketing am besten, sodass ich anschliessend einige Zeit im Auslandsvertrieb der Firma verbrachte, bevor ich mein betriebswirtschaftliches Studium in Köln aufnahm. Nicht nur dort, sondern auch während meines MBA-Studiums in Oxford wählte ich den Schwerpunkt Marketing und Kommunikation. Der Weg für einen beruflichen Einstieg ins Marketing war damit geebnet. Bei meinen anschliessenden Jobs kam ich zudem immer wieder mit Aspekten der internen Kommunikation in Berührung. Ich beobachtete, dass es manchmal Missverständnisse zwischen Mitarbeitenden oder mit ihren Vorgesetzten gab, was teilweise zu angespannten Verhältnissen führte. Ich fühlte mich schliesslich dazu berufen, diese Kommunikationslücken zu schliessen und durfte bei meiner letzten Stelle, bevor ich in die Familiengründung ging, auch in diesem Bereich tätig sein.

 

Als meine erste Tochter ein Jahr alt wurde, nahm mein Mann eine neue berufliche Herausforderung in der Schweiz an. So zogen wir also nach Remetschwil in den Kanton Aargau. Nachdem meine zweite Tochter allmählich das Kindergartenalter erreichte, gelang mir über mein privates Mütter-Netzwerk der berufliche Wiedereinstieg in eine Kommunikationsagentur – eine ideale Fortsetzung meiner bisherigen Tätigkeiten. Zugute kam mir dabei, dass ich meine Elternzeit dazu genutzt hatte, um mich im Bereich Social Media fortzubilden. 

Wohin es mich in Zukunft zieht…

Heute betrachte ich es als Privileg, mit solch unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen zu sein. Denn ich kann mir nun als Erwachsene die Rosinen aus diesem deutsch-venezolanischen Kuchen herauspicken. Zum einen habe ich neben Englisch die Wahl zwischen zwei Sprachen: Deutsch und Spanisch. Zum anderen habe ich die Ordnungsliebe und die systematisch-strukturierte Arbeitsweise meiner deutschen Vorfahren übernommen sowie die leidenschaftliche und emotionale Seite meines venezolanischen Familienteils angenommen. Zudem habe ich ein tiefes Verständnis für kulturelle Unterschiede und akzeptiere nicht nur, sondern schätze die sich daraus ergebende Andersartigkeit von Menschen.

 

Das Rosinenpicken geht weiter. Als mein Mann aus beruflichen Gründen in die Schweiz ging, war mir nicht bewusst, dass dieses wunderbare Land bzw. seine Leute doch so anders sind als wir Deutsche. Das war für mich ein Wow-Erlebnis. Ich habe mich direkt mit der Mentalität und dem Wesen der Schweizer im Allgemeinen verbunden gefühlt. In diesem Land herrschen (noch) Respekt, Rücksicht, Ordnung, Zuverlässigkeit und Beständigkeit. Nicht der Einzelne, sondern das Gemeinwohl steht stets im Vordergrund. Ich hoffe sehr, dass sich die Schweizer diese Werte erhalten können.

 

Schon immer habe ich diejenigen beneidet, die einen bestimmten Ort auf der Welt als ihr zu Hause bezeichnen können. Einen Ort, an dem sie sich verstanden fühlen, an dem sie sich unter ihresgleichen fühlen, mit dem alle Erinnerungen an ihre Kindheit verbunden sind. Einen Ort, an dem man sich verwurzelt fühlt, egal, wohin es einen im Leben einmal hin verschlägt. Dieses Gefühl hatte ich bisher bei keinem der Orte, an dem ich gelebt habe. Daher habe ich gelernt, meine Wurzeln nicht örtlich zu betrachten. Mein Gefühl der Verwurzelung ergibt sich aus dem Mix der unterschiedlichen kulturellen Werte, die ich im Laufe meines Lebens zu schätzen gelernt habe.

 

Doch allmählich realisiere ich, dass die Schweiz mein wahres Zuhause ist. Hier kann ich alle Komponenten meiner Persönlichkeit zusammenbringen und ausleben. Dies macht mich sehr glücklich. Daher ist die Antwort auf die Frage, wohin es mich in Zukunft ziehen wird ganz klar: Ich bleibe hier - dies ist mein Zuhause, und für meine Kinder wünsche ich mir von Herzen, dass sie hier ihre Wurzeln schlagen!


About me

Being the daughter of a South American mother and a European father, two hearts beat in my chest. Two very different and sometimes conflicting cultures have shaped my childhood and youth. And they continue to influence my attitude towards life and many questions of life: my relationships, my role as a woman in our society or my work attitude. But also, the ever-present wanderlust, which results from my lack of local roots, is part of my life and pulls me, as often as possible, out into the world.


Where I come from…

My father, a young German merchant, was sent by the company Bayer to the Venezuelan branch in 1961 to gain his first professional experience. On his first day at work, he met my mother, who worked as assistant for his boss. This is how the story of our family began. After my parents’ marriage, my brother was born in Venezuela. When the young family went to Argentina due to my father’s work, my sister was born in Buenos Aires. After a few years, my father was ordered back to Leverkusen to Bayer’s headquarters. There I finally saw the light of day. However, my parents moved back to Venezuela, so I spent kindergarten and elementary school in Caracas. Later, after a three-year stay in Brussels, I returned to Leverkusen, where I spent the rest of my teenage years.

How I ended up where I am now ...

Perhaps it is due to our German-Venezuelan communication culture that I had to deal with how to make a difference with what I say to whom in which way from early on. On the one hand, there was the rational and thoughtful way of my father and on the other hand the spirited and passionate nature of my mother. In addition, there were no taboos in our home. We talked about everything. No topic was too embarrassing. I've been taught that you can say everything, that it just depends on how you say it.

 

So after we came to Germany from Venezuela – respectively Belgium – to live there from now on, some peace and quietness returned to my eventful life. I became a typical German teen and soon began my career orientation phase.

During my commercial education in the pharmaceutical industry, I liked the area of marketing best, so that I then spent some time in foreign sales of the company, before I started my business studies in Cologne. Not only there but also during my MBA studies in Oxford, I chose the focus marketing and communication. This paved the way for a career entry into marketing. In my subsequent jobs, I also encountered aspects of internal communication repeatedly. I observed that there were sometimes misunderstandings between employees or with their superiors, which sometimes led to tense relationships. Finally, I felt called to close these communication gaps and was allowed to work in this area at my last job before starting a family.

 

When my first daughter turned one year old, my husband took on a new professional challenge in Switzerland. So we moved to Remetschwil in the canton of Aargau. After my second daughter gradually reached the kindergarten age, I managed the professional re-entry into a communication agency through my private mothers’ network – an ideal continuation of my previous activities. It benefited me that I had used my parental leave to train myself in social media.

Where I'm going in the future ...

Today I consider it a privilege to have grown up with such different cultures. As an adult, I can now cherry-pick whatever I like best from this German-Venezuelan cake. For one thing, besides English I have the choice between two languages: German and Spanish. On the other hand, I have taken on the orderliness and my German ancestors’ systematic-structured way of working and the passionate and emotional side of my Venezuelan family. In addition, I have a deep understanding of cultural differences and I do not only accept, but appreciate the resulting diversity of people.

The cherry picking continues. When my husband went to Switzerland for professional reasons, I was not aware that this wonderful country and its people are so different from us Germans. That was a wow-experience for me. I felt directly connected to the mentality and the essence of the Swiss in general. Respect, order, reliability, and consistency (still) prevail in this country. Not the individual, but the common good is always in the foreground. I sincerely hope that the Swiss can maintain these values.

 

I have always envied those who can call a certain place in the world their home. A place where they feel understood, where they feel under-equals, with all the memories of their childhood. A place where they feel rooted, no matter where they go in their lives. I have not had that feeling in any of the places I have lived. Therefore, I have learned not to look at my roots as something attached to a specific location. My sense of rootedness comes from the mix of different cultural values that I have come to appreciate throughout my life.

 

But gradually I realize that Switzerland is my true home. Here I can bring together and live out all components of my personality. This makes me very happy. Therefore, the answer to the question of where I am going to be in the future is very clear: I will stay here - this is my home and I sincerely wish for my children to take root here!

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